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Walpurgisnacht auf Moskauer Art PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Ute Weinmann   
Mittwoch, 23. Mai 2007

Orthodoxe Hüter der Moral und rechte Skinheads protestieren gewalttätig gegen eine Gay-Party in Moskau.


Auf den Tanz in den ersten Mai musste die Moskauer Gay-Community in diesem Jahr verzichten. Etwa 200 rechte Skinheads und Anhänger der Russisch orthodoxen Kirche, darunter etliche Frauen im Rentenalter, blockierten am späten Abend des 30. April den Eingang des Moskauer Clubs Renaissance. Zu Beginn sprachen die Versammelten lediglich Gebete, zündeten Kerzen an und schwenkten Ikonen. Doch wurde die Stimmung mit der Zeit durch Alkohol und Instruktionen eines der Anführer der Russisch Nationalen Union (RONS) angeheizt, der die Anwesenden dazu anhielt, undurchdringbare Menschenketten gegen die „perversen“ Clubbesucher zu bilden. Schließlich flogen Flaschen und Steine, ein Moskauer orthodoxer Priester erteilte den Protestierenden seinen Segen.

 
Die Miliz forderte die nach und nach eintreffenden Clubbesucher in sicherer Entfernung auf, den Ort umgehend zu verlassen. Dennoch wurden mehrere Menschen verprügelt und die Aggressivität der Masse richtete sich zunehmend gegen die wenigen anwesenden Milizionäre. Diese hatten zwar Verstärkung angefordert, aber aufgrund der allgemeinen Alarmbereitschaft anlässlich des Feiertags seien keine zusätzlichen Kapazitäten frei gewesen. Der erste Versuch, die etwa 150 Menschen im Inneren des Clubs mit Bussen zu evakuieren, schlug fehl. Dem Kordon aus acht Milizionären gelang es nicht, die orthodoxen Moralhüter zu bändigen. Diese schlugen auf das vorbeirennende Clubpersonal mit Schlagstöcken, Kreuzen und Ikonen ein. Eine junge Frau musste anschließend im Krankenhaus behandelt werden. Erst gegen 3 Uhr morgens hatte sich die Lage soweit beruhigt, dass die Belagerten in Bussen Richtung Stadtzentrum gefahren werden konnten.

 
Zu dem Protest hatte die rechte Russisch Nationale Union aufgerufen. Auf deren Internetseite sind alle bekannten Veranstaltungsorte für schwul-lesbische Partys zwischen dem 30. April und dem 9. Mai aufgeführt. „Aufklärungsarbeit mit denen zu betreiben, die unsere Traditionen, Moral und Sittlichkeit zerstören“, heißt es da, sei die „Pflicht eines jeden Russen, und umso mehr eines jeden orthodox Gläubigen“. Die Auslegung dieser Worte bleibt dem zur Tat bereiten Leser überlassen.

 
Die Ereignisse in der Nacht zum ersten Mai bieten einen Vorgeschmack auf etwaige Aktionen gegen die für den 27. Mai geplante Gay-Parade. Am 27. Mai 1993 wurde der Artikel 121 des russischen Strafgesetzbuches abgeschafft, der für freiwillige sexuelle Beziehungen unter Männern eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren vorsah. Bereits vor einem Jahr hatte der Leiter des Projekts „GayRussia.Ru“ Nikolaj Aleskejew für das Jahr 2006 eine Parade angekündigt. Damals hatte sich der Moskauer Bürgermeister Jurij Luschkow stringent gegen die Genehmigung einer solchen Veranstaltung ausgesprochen unter dem Vorwand, angeblich die Interessen der Moskauer Bevölkerung zu schützen, die sich in ihrer Mehrheit gegen eine derartige Initiative ausspreche. Der Meinung schlossen sich führende Vertreter der Russisch Orthodoxen Kirche an. 2001 wurde ein Verbot in Moskau mit der Verletzung von religiösen Gefühlen begründet, bereits 1993 konnte eine Parade in St. Petersburg anlässlich des Christopher-Street-Days nicht stattfinden, da sich die zuständigen Behörden weigerten, den Teilnehmern den für jede Demonstration nötigen Begleitschutz zu stellen.

Ende April kündigte Aleksejew auf einer Pressekonferenz an, dass in Kürze die Antragstellung für eine offizielle Genehmigung der geplanten Parade erfolgen soll. Im Falle einer Ablehnung seien die Veranstalter jedoch nicht gewillt aufzugeben. Eine Parade durch Moskau wird in jedem Fall stattfinden, nur die Route bleibt vorerst ein Geheimnis.

Quelle: Ai Journal 2007 


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