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Ein flüchtiger Blick in den Arbeitsalltag der russischen Menschenrechtsorganisation Youth Human Rights Movement - Es summt. Endlich kann ich die eiserne Sicherheitstür öffnen. Das erste was ich sehe, ist ein Schrank voller kleiner bunter Aufkleber in Englisch, Französisch, Deutsch und Russisch mit Aufschriften wie „Stoppt den Krieg in Tschetschenien“, „Nie wieder Faschismus“, „Keine Ölpipeline am Baikalsee!“
Mehr ist auf dem düsteren Gang auch nicht zu sehen, aber das Klappern der Tastaturen aus den Zimmern lässt auf rege Betriebsamkeit in dem Büro von Youth Human Rights Movement schließen. Youth Human Rights Movement ist Russlands größte Menschenrechtsorganisation von Jugendlichen – das Netzwerk engagiert sich für mehr Demokratie und Menschenrechte und gegen Faschismus, Rassismus oder Homophobie. Gemeinsam mit zwei anderen Menschenrechtsorganisationen teilen sich Youth Human Rights Movement das dritte Stockwerk eines Hauses in der Stadt Woronesch. Nach einigen Einbrüchen und Diebstählen hat man sich für die Anbringung der eisernen Tür entschlossen.
Menschenrechte schützen und Demokratie aufbauen…
Diese – schlicht gesagt – etwas widrigen Umstände hindern jedoch niemanden der 15 Leute in dem Büro an ihrer Arbeit. Aleksandra über ihre Motivation, bei YHRM mit zu machen: „Ich möchte, dass in Russland niemand, der nicht russisch aussieht, Angst auf der Straße Angst haben muss “, erklärt sie ihr wichtigstes Anliegen. Damit spielt sie auf den Studenten aus Peru an, der im letzten Jahr in Woronesch von Russen ermordet wurde, weil er sich mit einer russischen Frau auf der Straße zeigte. Viele der über 2000 Studenten aus Afrika, China oder den arabischen Ländern gehen hier nur noch gemeinsam auf die Straße. Leider ist das nicht nur in Woronesch so – die rechtsradikale Szene in Russland hat gerade massiven Zulauf. Youth Human Rights Movement hat auf den Mord hin im März 2006 eine Erste-Hilfe-Hotline eingerichtet, wo sich ausländische Studierende über ihre Rechte und Schutzmöglichkeiten informieren können. Außerdem organisieren die aktiven Mitglieder Workshops in Schulen zur Aufklärung über Fremdenfeindlichkeit und Faschismus oder Seminare zu den Themen Demokratie, Menschenrechte und Presse- und Meinungsfreiheit. YHRM sind aber auch im Umweltschutz aktiv: im Juni 2006 haben sie zusammen mit anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen den Bau einer Ölpipeline in der Nähe des Baikalsees, dem See mit dem größten Trinkwasservorkommen der Erde.
Die Unterdrückung von Regierungskritik…
Es ist in Russland aber nicht einfach „Teil einer Jugendbewegung“ zu sein. YHRM bekommen keine Unterstützung von Seiten der Politik, sie werden bei ihrem Engagement eher behindert. Ihnen wird der Zugang zu Schulen verwehrt, Artikel in Schüler- oder Studentenzeitungen werden zensiert oder Demonstrationen verboten. Auch eine mögliche Überwachung durch den russischen Geheimdienst wird nicht ausgeschlossen. Nastya, die die internationale Arbeit von YHRM koordiniert, meint: „Das Schlimmste ist, dass die staatlichen Autoritäten zivilgesellschaftliche und Menschenrechtsaktivitäten unterdrücken, die nicht um Macht, sondern für wichtige Rechte und Freiheiten kämpfen. Der Staat steht allen öffentlichen Aktionen sehr skeptisch gegenüber, weil er Angst vor einer Orangenen Revolution wie in der Ukraine hat, wo die korrupten Sowjeteliten abgelöst wurden.“ Seit diesem Jahr gibt es auch ein neues Gesetz für Nichtregierungsorganisationen, die es für den russischen Staat sehr einfach machen, eine Organisation zu verbieten. Das heißt vor allem für kritische NGOs wie Youth Human Rights Movement: „Lehnt euch nicht zu weit aus dem Fenster!“ Aber davon lassen sich Aleksandra und Nastya noch nicht beirren – die eiserne Sicherheitstür schützt fürs erste!
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