Home arrow Themen arrow Anti-Militarismus arrow Ein neues Opfer der russischen NGO-Gesetzgebung: Schließung von „Youth Human Rights Movement"  
Ein neues Opfer der russischen NGO-Gesetzgebung: Schließung von „Youth Human Rights Movement" PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Herdis Hagen   
Mittwoch, 12. September 2007

Pressemitteilung von YHRM

Am 13. Juni 2007 beschloss das Kreisgericht Sowjetskij Rayon der Stadt Nishnij Nowgorod die Schließung der in Russland ansässigen, international vernetzten Organisation „Youth Human Rights Movement“ (YHRM). 


Begründet wurde das Urteil mit  dem Versäumnis der Organisation, detaillierte „Berichte über die Fortführung der Tätigkeiten“ (Formular Nr. ON0003), beginnend ab dem Jahre 2001, bei der Verwaltung des Föderalen Registrierungsdienstes (FRD) in Nishnij Nowgorod einzureichen. YHRM, im Jahre 1998 hervorgegangen aus dem Zusammenschluss einiger russischer zivilgesellschaftlicher Organisationen und Aktivist_innen, ist allerdings seit 2004 als internationale Organisation registriert. Die Tatsache, dass die eingeforderten Berichte einwandfrei der für internationale Organisationen zuständigen Zentralstelle des Föderalen Registrierungsdienstes, „Rosregistrazija“, in Moskau zugesandt wurden, fand bei ihrem regionalen Ableger in Nishnij Nowgorod (offiziell aus Zeitgründen) keine Beachtung.

Die Mitglieder von YHRM wurden zudem über die Gerichtsverhandlung nicht informiert: Aus unerfindlichen Gründen wurde die Gerichtsvorladung an eine nicht existierende juristische Adresse gesendet. Das Urteil wurde dementsprechend in vollständiger Abwesenheit der Beklagten gefällt. Zudem gibt der Urteilstext vollständig die vom Föderalen Registrierungsdienst (FRD) Nishnij Nowgorod eingereichte Klage wieder. Das Gericht hat somit schlicht allem Glauben geschenkt, was von Seiten des FRD beanstandet wurde.

Diese Form „geheimer“ Schließungen von Organisationen ist in Russland seit Bestehen des NGO-Gesetzes kein Einzelfall. Nach Worten Olga Gnesdilowas, verantwortlich für den Bereich Monitoring der Situation der Vereinigungsfreiheit der Moskau Helsinki Gruppe, ist ein solches Verhalten des FRD typisch: „Im Mai 2007 hat die Verwaltung des FRD in ganz Russland massenhaft begonnen, bei Gericht Klagen über den Ausschluss hunderter Organisationen einzureichen, darunter auch aktiv tätige, in ihren Regionen sehr bekannte. Gleichzeitig unternehmen die Gerichte keine Anstrengungen, die Organisationen entsprechend über den Gerichtsprozess zu informieren. Die Briefe werden einfach in den Postkasten geworfen (manchmal sogar mit einer fehlerhaften Adresse versehen), und kurz darauf tagt das Gericht. So erging es einigen aktiven und bekannten regionale Organisationen. Nun wurde jedoch zum ersten Mal eine solch große internationale Organisation faktisch liquidiert.“

Tatsächlich handelt es sich bei „Youth Human Rights Movement“ (YHRM) um eine der größten Jugendorganisationen Russlands, in der sich heute mehr als 1.000 zumeist junge Menschen engagieren. Zudem arbeitet „YHRM“ mit zahlreichen Partnerorganisationen in Russland, der GUS und Europa zusammen.

Einen thematischen Schwerpunkt der Organisation bildet die Stärkung von Menschenrechten und Zivilgesellschaft. Hierzu, wie auch zu anderen Themengebieten, hat die Organisation (zum Teil gemeinsam mit Partnern in Russland, der GUS und Europa) mittlerweile mehr als hundert Bildungsprogramme für Jugendliche und junge Erwachsene organisiert und durchgeführt. Zudem bietet YHRM u.a. auch juristische Beratungen für Jugendliche zu verschiedensten Rechtsaspekten an, gibt eine Zeitschrift heraus und engagiert sich aktiv gegen Homophobie und Fremdenfeindlichkeit und für Demokratie.

Gegenwärtig fungieren zudem eine Reihe von Koordinator_innen  des „YHRM“ als Expert_innen des Europarates, und auch die Organisation selbst arbeitet sowohl mit Institutionen auf Regierungsebene (OSZE, Europarat, Europäische Kommission), als auch mit internationalen Organisationen zusammen.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist die Tätigkeit von „Youth Human Rights Movement“ allerdings im Namen der Russischen Föderation unterbrochen worden.

Wie der Ehrenpräsident des „YHRM“, Experte des Europarates und Mitglied des Expert/-innen-Rates der Bevollmächtigten für Menschenrechte der Russischen Föderation, Andrej Jurow sagt: „Zweifellos werden wir gegen den Gerichtsbeschluss Berufung einlegen. Anstatt die Tätigkeiten internationaler Bewegungen zu unterstützen, ist auch weit über Russlands Grenzen hinaus bekannt, dass der Föderale Registrierungsdienst eine „Technologie der heimlichen Zerstörung“ vorzieht. Selbst wenn wir in unserem Fall, uns wie der Aufhebung des Gerichtsbeschlusses auch der größten internationalen Unterstützung sicher sind, so kann im Fall weniger bekannter Organisationen die Situation eine andere sein. Deswegen rufen wir alle zivilgesellschaftlichen Organisationen Russlands, der Staaten der GUS und Europas auf, eine internationale Kampagne der Unterstützung und Solidarität mit allen russländischen Organisationen zu starten, die unter ähnlicher Anwendung der (neuen) Gesetzgebung für Nichtkommerzielle Organisationen leiden. Ähnliche Vorfälle fügen nicht nur vielen aktiv arbeitenden Organisationen Schaden zu, die zehn- und hunderttausenden Menschen in unserem Land Hilfe erweisen – es leidet auch die Reputation der Russischen Föderation“.

 

 

Kommentare und ergänzende Informationen zur Situation (englisch und russisch)

Ehrenpräsident YHRM

Andrej Jurow +7-916--113-51-81;

Koordinator des Rechtsprogrammes YHRM, Jurist –

Dmitrij Makarow +7-916-537-13-67;

Koordinatorin des Monitorings zur Vereinigungsfreiheit, Juristin (MHG) –

Olga Gnesdilowa +7-904-211-43-92

 

Der nichtexistente Informationsdienst der nichtexistenten IJGB „Youth Human Rights Movement (YHRM)“:

 

Sergej Sabanow, Olga Kasarina

+7 4732 955 955

Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst

www.yhrm.org

 

YHRM Deutschland:

Herdis Hagen                                      Lisa Groß

herdisoffiziell at web.de           lisa.gross at yhrm-berlin.org            


Artikel zitieren

Artikel kommentieren
RSS Kommentare

Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben.
Bitte melde Dich an oder registriere Dich.

Powered by AkoComment Tweaked Special Edition v.1.4.6
AkoComment © Copyright 2004 by Arthur Konze - www.mamboportal.com
All right reserved

Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 7. September 2008 )
 
< Zurück   Weiter >





Passwort vergessen?
Noch kein Benutzerkonto?
Registrieren
Aktuelles
Diskussion:Ausländische Studierende in Russland – Bericht einer russischen Menschenrechtsaktivistin

Diskussionveranstaltung von YHRM Berlin am 30.10.2008 um 19.30h im tristeza, Berlin. 

 

Rassistische Übergriffe auf ausländische Studierende sind in Russland keine Seltenheit. Erst im März 2008 starb ein 20-jähriger Student aus Ghana an den Messerstichen von drei unbekannten Tätern in St. Petersburg. Laut dem Forschungsinstitut SoVa wurden allein seit Beginn diesen Jahres 65 Menschen aus rassistischer Motivation ermordet und 318 Personen verletzt. Die Zahl der von rassistischen Übergriffen betroffenen ausländischen Studierenden hat sich mit dem Anstieg der

rassistisch motivierten Gewalttaten in den letzten Jahren erhöht, was vor allem für Studierende aus Asien, Afrika und der arabischen Welt eine wachsende Unsicherheit an ihrem Studienort bedeutet. Die Menschenrechtsorganisation Youth Human Rights Movement arbeitet schon seit einigen Jahren an der Unterstützung ausländischer Studierender, unter anderem durch den Aufbau einer Notruf-Hotline. 

 

Weiter …
 
Projekt "Volonteers of Human Rights"
«Volunteers of Human Rights» ist ein von verschiedenen Menschenrechts- und Bürgerorganisationen und –netzwerken initiiertes Projekt, die seit vielen Jahren in Ost- und Westeuropa, sowie in den GUS-Staaten existieren.

Das internationale Netzwerk – Youth Human Rights Movement www.yhrm.org übernimmt mit seinen Partnerorganisationen die Koordinatorenfunktion innerhalb des Projekts.

Weiter …
 
Aufruf zur Unterstützung von YHRM Russland

Liebe Freund/-innen und Kolleg/-innen!

Anfang August 2007 erfuhren wir, dass das internationale Youth Human Rights Movement (YHRM) durch einen Gerichtsbeschluss in Nishnij Nowgorod, Russland, auf Forderung der Föderalen Registrierungsdienstes für „inaktiv“ erklärt und ihm sein Status’ einer juristischen Person aberkannt wurde.

Weiter …
 
Ähnliche Artikel