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Journalisten und Menschenrechtsaktivist abgeführt zur „Liquidation mit Schalldämpfern“ PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Artem Hein   
Montag, 3. Dezember 2007

In Inguschetien wurden der Bürgerrechtler Oleg Orlof sowie ein Fernsehteam des Senders „Ren-TV“ entführt und später wieder freigelassen. „Die Ereignisse in Russland werden immer dramatischer. Eine Welle von Verhaftungen geht um. Betroffen sind Aktivisten, Demonstranten gegen die Politik Putins und Mitglieder der Parteien „Jabloko“ sowie  „Union der Rechten Kräfte“. Büros werden durchsucht, Wahlmaterial  beschlagnahmt. Der bewaffnete Überfall auf den im Land gut bekannten Menschenrechtsaktivisten,  sowie Journalisten des Fernsehsenders „Ren-TV“, erscheint aber sogar vor diesem Hintergrund als schockierend.“ HRO.org


In der Nacht vom 23 auf den 24 November wurden der Vorsitzende der Vereinigung „Memorial“,  Oleg Orlof und die Fernsehjournalisten (Ren-TV) Artem Wisozkii, Stanislaw Garatchih sowie Karen Sihonof von bewaffneten Männern in Uniform festgehalten. Der ganze Vorgang ereignete sich in dem Hotel „Assa“, im Zentrum der Stadt Nasran. Die festgehaltenen wurden hiernach an einen unbekannten Ort gebracht, wo man sie aus dem Auto „rausschmiss“ berichtet Oleg Orlof. „Ich hörte die Wörter: Zur Liquidation! Mit Schaldämpfern!“ sagt er weiter. „Wir wurden mit den Gesichtern zum Boden, hingelegt und man fing an uns mit Fußtritten zu bearbeiten. Gleich hiernach sind alle weggefahren. Die Angreifer sprachen russisch.“ Die Journalisten und der Menschenrechtsaktivist sind hiernach zu Fuß zum nächsten Ort gegangen, wo sie sofort die örtliche Polizeistation aufsuchten. Von hier aus wurden sie zur zuständigen Polizeistation gebracht, wo sie Anzeige erstatteten.

Die meisten Verletzungen wurden dem Journalist Artem Wisozkii zugefügt. „Im Moment kann er Aufgrund seiner Verletzungen kaum reden und wir vermuten, dass seine Nieren geschädigt sind“, heißt es von seinem Chefredakteur Sergej Schewikin. Seine Kollegen berichteten ihm, dass mehrere Personen in ihr Hotel eintraten und ohne sich vorzustellen, ihnen Säcke über den Kopf zogen, um sie anschließend abzuführen. Die staatlichen Organe der Republik Inguschetien behaupten sie hätten mit diesen Vorfällen nichts zu tun.

Die Staatsanwaltschaft erklärt, dass es sich bei diesem Fall um kriminelle Handlung handelt. Vor allem ist hier das Recht auf die Unantastbarkeit der eigenen Wohnung verletzt worden. Des Weiteren liegt der Tatbestand einer Behinderung der journalistischen Tätigkeit vor, so wie der einer Entführung. Am 24. November hieß es in den Medien, der Präsident der südlichen Republik Russlands, Murat Sjasikow, nehme die Ermittlungen in diesem Falle unter seine persönliche Kontrolle. Gleichzeitig gibt es Hinweise darauf, dass die Angreifer aus seinen eigenen Reihen stammen.

Später tauchten mehr Informationen über die Entführung des Menschenrechtsaktivisten und des Fernsehteams auf.  

Bericht der Menschenrechtsorganisation „Memorial“:
Einschüchterungsaktion in Nasran. Entführung, Gewalt und Drohungen.  Am 24. November wurden in der Nacht aus dem Hotel „Assa“ drei Mitarbeiter des Fernsehsenders „Ren- TV“ sowie ein Vorstandsmitglied der Organisation „Memorial“, Oleg Orlof, von Sicherheitskräften entführt. Mehrere Stunden später wurden sie auf einem Feld ausgesetzt und zusammengeschlagen. Bevor man sie dort zurückließ, wurde ihnen noch mit der Erschießung gedroht. Bei dieser Aktion wurden aus dem Hotel, Dokumente, Geld sowie die Ausstattung der Journalisten entwendet. Das Fernsehteam wurde am Tag zuvor von den örtlichen Sicherheitskräften festgehalten, ehe sie nach einigen Stunden entlassen worden sind. Am späten Abend des Tages, als sich das Ereignis ereignete, wurde der Wachposten, der zuständig für das Hotel „Assa“ war, "entfernt". Genau eine Stunde später, um 23.30 Uhr, fuhr ein größeres, weißes Auto vor, aus welchem etwa 15 bewaffnete Personen, in Kampfanzügen und Masken, ausstiegen. An der Rezeption gaben sie sich als Kräfte der „Anti-Terror-Einheit“ aus und verlangten die Liste der Gäste. Die Frau an der Rezeption erwiderte, sie müsse, um die Liste herausgeben zu dürfen, die Geschäftsführer fragen. Darauf hin nahmen die Männer ihr sowie zwei weiteren Mitarbeitern, die Mobilfunkgeräte weg und entwendeten das Verzeichnis mit den Gästenamen. Nachdem sie diese mit Aufmerksamkeit studiert hatten, begaben sie sich zuerst auf das Zimmer des Menschenrechtlers Oleg Orlof. Diesen entführten sie dann aus seinem Zimmer. Seinen Computer, sein Mobiltelefon sowie Geld nahmen sie ebenfalls mit sich. Als nächstes wurden die Mitarbeiter des Fernsehteams aus den Zimmern geholt, barfüssig und nur leicht bekleidet. Alle vier Männer wurden in das Auto gesetzt. Ihnen wurde gesagt, sie würden jetzt auf das Revier gebracht werden. Die Entführten wurden an einen entlegenen Ort gebracht, wo sie aus dem Auto geschmissen, zusammengeschlagen und bedroht worden sind, man würde sie gleich erschießen. Danach ließen die Entführer die vier alleine. Als die Mitglieder des Fernsehteams und der Menschenrechtler es schafften, sich von der Kopfbedeckung zu befreien, merkten sie, dass sie sich auf einem freien Feld befanden. Sie machten sich zu Fuß auf den Weg zur nächsten Ortschaft (Nesterovskaja), wo sie sich bei der örtlichen Polizeistation meldeten. Bei einem Mitglied des Fernsehteams besteht der dringender Verdacht auf eine schwere Gehirnerschütterung. Nach Meinung der Menschenrechtsorganisation „Memorial“ ist es durchaus wahrscheinlich, dass dieses Verbrechen in Verbindung mit der Kundgebung steht, die am 24. November geplant worden war.  

Bericht der „Novaia Gaseta“
Nach den Worten des Menschenrechtlers Oleg Orlov, wird er morgen bei den inguschetischen Behörden Anzeige, wegen der Entführung aus dem Hotel „Assa“ erstatten. „Ich bin mir sicher, dass man das Verfahren aufnehmen wird. Ebenso bin ich mir sicher, dass dieses auch wieder eingestellt wird“, sagte der Menschenrechtsaktivist. Der „Novaia Gaseta“ erzählte er, wie sich die Dinge ereignet hatten.
"Ungefähr eine Stunde vor der Entführung bekamen die Sicherheitskräfte, die für das Hotel „Assa“ zuständig waren, einen Anruf von den örtlichen Sicherheitsbehörden. Die gesamten, für das Hotel zuständigen Kräfte bekamen den Befehl, abzuziehen. Kurz danach betraten fünfzehn bewaffnete und maskierte Männer das Hotel und forderten die noch verbliebenen Sicherheitskräfte sich auf den Boden zu legen. Während sie die Frauen von der Rezeption an die Wand stellten, bedienten sie sich der Gästeliste", so Orlof.

 

 
Nach Angaben Oleg Orlofs, hatten es die Täter in keiner Weise eilig und studierten in aller Ruhe die Namen der Gäste. Nachdem die benötigten Namen gefunden worden waren, gingen drei der Männer nach oben.
 „Als es bei mir an der Tür klopfte, öffnete ich diese. In diesem Moment traten drei maskierte, bewaffnete Männer in mein Zimmer und stießen mich zu Boden. Sie fragten mich, warum ich hierhin gekommen sei“, erzählt Oleg Orlof. „Ich bot Ihnen an, meine Dienstreisebescheinigung zu betrachten. Als Antwort darauf  nahmen sie meinen Computer, Geld meinen Anzug samt Papieren, die sich in diesem befanden, mein Mobilfunktelefon und sogar mein Mantel und taten diese in ein Sack“, berichtet der Menschenrechtsaktivist. Ihm und drei weiteren Journalisten (Ren-TV), die sich ebenfalls in dem Hotel aufhielten, wurde mitgeteilt, dass sie verdächtigt werden, in Besitz von Sprengstoff zu seien. Sie wurden ins Auto gesetzt und fuhren daraufhin über eine Stunde auf asphaltierten Straßen. „Wir wurde an keinen der Sicherheitsposten angehalten. Ich hatte verstanden, dass man uns nicht zum Polizeirevier brachte, denn wir befanden uns bereits auf einer Straße außerhalb der Ortschaft. Auf einem offenen Feld wurde die Tür geöffnet, uns wurde befohlen, einzeln aus dem Auto auszusteigen“, so Oleg Orlof. „Wir wurden aus dem Auto geschmissen und ich hörte die Wörter: „Zur Liquidation! Mit Schaldämpfern!“ Wir wurden mit den Gesicht zum Boden hingelegt und man begann, uns mit Fußtritten zu bearbeiten. Ich habe wenig abgekriegt, aber zwei der Männer vom Fernsehteam haben viel abbekommen. Direkt danach sind alle weggefahren“, sagte der Menschenrechtsaktivist. 

 

 


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