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In Inguschetien wurden der Bürgerrechtler Oleg Orlof sowie ein
Fernsehteam des Senders „Ren-TV“ entführt und später wieder freigelassen. „Die Ereignisse
in Russland werden immer dramatischer. Eine Welle von Verhaftungen geht um.
Betroffen sind Aktivisten, Demonstranten gegen die Politik Putins und Mitglieder
der Parteien „Jabloko“ sowie „Union der
Rechten Kräfte“. Büros werden durchsucht, Wahlmaterial beschlagnahmt. Der bewaffnete Überfall auf
den im Land gut bekannten Menschenrechtsaktivisten, sowie Journalisten des Fernsehsenders
„Ren-TV“, erscheint aber sogar vor diesem Hintergrund als schockierend.“
HRO.org
In der Nacht vom 23 auf den 24 November wurden der Vorsitzende
der Vereinigung „Memorial“, Oleg Orlof und
die Fernsehjournalisten (Ren-TV) Artem Wisozkii, Stanislaw Garatchih sowie
Karen Sihonof von bewaffneten Männern in Uniform festgehalten. Der ganze
Vorgang ereignete sich in dem Hotel „Assa“, im Zentrum der Stadt Nasran. Die
festgehaltenen wurden hiernach an einen unbekannten Ort gebracht, wo man sie
aus dem Auto „rausschmiss“ berichtet Oleg Orlof. „Ich hörte die Wörter: Zur
Liquidation! Mit Schaldämpfern!“ sagt er weiter. „Wir wurden mit den Gesichtern
zum Boden, hingelegt und man fing an uns mit Fußtritten zu bearbeiten. Gleich
hiernach sind alle weggefahren. Die Angreifer sprachen russisch.“ Die Journalisten und der Menschenrechtsaktivist sind
hiernach zu Fuß zum nächsten Ort gegangen, wo sie sofort die örtliche
Polizeistation aufsuchten. Von hier aus wurden sie zur zuständigen
Polizeistation gebracht, wo sie Anzeige erstatteten.
Die meisten Verletzungen wurden dem Journalist Artem
Wisozkii zugefügt. „Im Moment kann er Aufgrund seiner Verletzungen kaum reden
und wir vermuten, dass seine Nieren geschädigt sind“, heißt es von seinem
Chefredakteur Sergej Schewikin. Seine Kollegen berichteten ihm, dass mehrere
Personen in ihr Hotel eintraten und ohne sich vorzustellen, ihnen Säcke über
den Kopf zogen, um sie anschließend abzuführen. Die staatlichen Organe der
Republik Inguschetien behaupten sie hätten mit diesen Vorfällen nichts zu tun.
Die Staatsanwaltschaft erklärt, dass es sich bei diesem Fall
um kriminelle Handlung handelt. Vor allem ist hier das Recht auf die Unantastbarkeit
der eigenen Wohnung verletzt worden. Des Weiteren liegt der Tatbestand einer
Behinderung der journalistischen Tätigkeit vor, so wie der einer Entführung. Am 24. November hieß es in den Medien, der Präsident der
südlichen Republik Russlands, Murat Sjasikow, nehme die Ermittlungen in diesem
Falle unter seine persönliche Kontrolle. Gleichzeitig gibt es Hinweise darauf, dass die Angreifer aus
seinen eigenen Reihen stammen.
Später tauchten mehr Informationen über die Entführung des Menschenrechtsaktivisten und des Fernsehteams auf.
Bericht der Menschenrechtsorganisation „Memorial“:
Einschüchterungsaktion in Nasran. Entführung, Gewalt und Drohungen. Am
24. November wurden in der Nacht aus dem Hotel „Assa“ drei Mitarbeiter
des Fernsehsenders „Ren- TV“ sowie ein Vorstandsmitglied der
Organisation „Memorial“, Oleg Orlof, von Sicherheitskräften entführt.
Mehrere Stunden später wurden sie auf einem Feld ausgesetzt und
zusammengeschlagen. Bevor man sie dort zurückließ, wurde
ihnen noch mit der Erschießung gedroht. Bei dieser Aktion wurden aus
dem Hotel, Dokumente, Geld sowie die Ausstattung der Journalisten
entwendet. Das
Fernsehteam wurde am Tag zuvor von den örtlichen Sicherheitskräften
festgehalten, ehe sie nach einigen Stunden entlassen worden sind. Am
späten Abend des Tages, als sich das Ereignis ereignete, wurde der
Wachposten, der zuständig für das Hotel „Assa“ war, "entfernt". Genau
eine Stunde später, um 23.30 Uhr, fuhr ein größeres, weißes Auto vor,
aus welchem etwa 15 bewaffnete Personen, in Kampfanzügen und Masken,
ausstiegen. An der Rezeption gaben sie sich als Kräfte der
„Anti-Terror-Einheit“ aus und verlangten die Liste der Gäste. Die Frau
an der Rezeption erwiderte, sie müsse, um die Liste herausgeben zu
dürfen, die Geschäftsführer fragen. Darauf hin nahmen die Männer ihr
sowie zwei weiteren Mitarbeitern, die Mobilfunkgeräte weg und
entwendeten das Verzeichnis mit den Gästenamen. Nachdem sie diese mit
Aufmerksamkeit studiert hatten, begaben sie sich zuerst
auf das Zimmer des Menschenrechtlers Oleg Orlof. Diesen entführten sie
dann aus seinem Zimmer. Seinen Computer, sein Mobiltelefon sowie Geld
nahmen sie ebenfalls mit sich. Als nächstes wurden die Mitarbeiter des
Fernsehteams aus den Zimmern geholt, barfüssig und nur leicht
bekleidet. Alle vier Männer wurden in das Auto gesetzt. Ihnen wurde
gesagt, sie würden jetzt auf das Revier gebracht werden. Die
Entführten wurden an einen entlegenen Ort gebracht, wo sie aus dem Auto
geschmissen, zusammengeschlagen und bedroht worden sind, man würde sie
gleich erschießen. Danach ließen die Entführer die vier alleine. Als
die Mitglieder des Fernsehteams und der Menschenrechtler es schafften,
sich von der Kopfbedeckung zu befreien, merkten sie, dass sie sich auf
einem freien Feld befanden. Sie machten sich zu Fuß auf den Weg zur
nächsten Ortschaft (Nesterovskaja), wo sie sich bei der örtlichen
Polizeistation meldeten. Bei einem Mitglied des Fernsehteams besteht der dringender Verdacht auf eine schwere Gehirnerschütterung. Nach
Meinung der Menschenrechtsorganisation „Memorial“ ist es durchaus
wahrscheinlich, dass dieses Verbrechen in Verbindung mit der Kundgebung
steht, die am 24. November geplant worden war.
Bericht der „Novaia Gaseta“
Nach
den Worten des Menschenrechtlers Oleg Orlov, wird er morgen bei den
inguschetischen Behörden Anzeige, wegen der Entführung aus dem Hotel
„Assa“ erstatten. „Ich
bin mir sicher, dass man das Verfahren aufnehmen wird. Ebenso bin ich
mir sicher, dass dieses auch wieder eingestellt wird“, sagte der
Menschenrechtsaktivist. Der „Novaia Gaseta“ erzählte er, wie sich die Dinge ereignet hatten. "Ungefähr eine Stunde
vor der Entführung bekamen die Sicherheitskräfte, die für das Hotel
„Assa“ zuständig waren, einen Anruf von den örtlichen
Sicherheitsbehörden. Die gesamten, für das Hotel zuständigen Kräfte
bekamen den Befehl, abzuziehen. Kurz danach betraten
fünfzehn bewaffnete und maskierte Männer das Hotel und forderten die
noch verbliebenen Sicherheitskräfte sich auf den Boden zu legen.
Während sie die Frauen von der Rezeption an die Wand stellten,
bedienten sie sich der Gästeliste", so Orlof.
Nach
Angaben Oleg Orlofs, hatten es die Täter in keiner Weise eilig und
studierten in aller Ruhe die Namen der Gäste. Nachdem die benötigten
Namen gefunden worden waren, gingen drei der Männer nach oben. „Als
es bei mir an der Tür klopfte, öffnete ich diese. In diesem Moment
traten drei maskierte, bewaffnete Männer in mein Zimmer und stießen
mich zu Boden. Sie fragten mich, warum ich hierhin gekommen sei“,
erzählt Oleg Orlof. „Ich bot Ihnen an, meine Dienstreisebescheinigung
zu betrachten. Als Antwort darauf nahmen sie meinen
Computer, Geld meinen Anzug samt Papieren, die sich in diesem befanden,
mein Mobilfunktelefon und sogar mein Mantel und taten diese in ein
Sack“, berichtet der Menschenrechtsaktivist. Ihm
und drei weiteren Journalisten (Ren-TV), die sich ebenfalls in dem
Hotel aufhielten, wurde mitgeteilt, dass sie verdächtigt werden, in
Besitz von Sprengstoff zu seien. Sie wurden ins Auto gesetzt und fuhren
daraufhin über eine Stunde auf asphaltierten Straßen. „Wir
wurde an keinen der Sicherheitsposten angehalten. Ich hatte verstanden,
dass man uns nicht zum Polizeirevier brachte, denn wir befanden uns
bereits auf einer Straße außerhalb der Ortschaft. Auf einem offenen
Feld wurde die Tür geöffnet, uns wurde befohlen, einzeln aus dem Auto
auszusteigen“, so Oleg Orlof. „Wir wurden aus dem Auto geschmissen und
ich hörte die Wörter: „Zur Liquidation! Mit Schaldämpfern!“ Wir wurden
mit den Gesicht zum Boden hingelegt und man begann, uns mit Fußtritten
zu bearbeiten. Ich habe wenig abgekriegt, aber zwei der Männer vom
Fernsehteam haben viel abbekommen. Direkt danach sind alle
weggefahren“, sagte der Menschenrechtsaktivist.
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