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Deutsch-Russischer Austausch Berlin: "Memorial" St. Petersburg muss beschlagnahmte historische Unte |
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Geschrieben von Monika Neuner
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Donnerstag, 22. Januar 2009 |
Deutsch-Russischer Austausch Berlin: "Memorial" St. Petersburg muss beschlagnahmte historische Unterlagen zurückerhalten.
Der DRA Berlin unterstützt die Forderung der internationalen Gesellschaft "Memorial" nach unbeschädigter Rückgabe des umfangreichen historischen Materials zu den Repressionen der Stalinzeit, das "Memorial" im Laufe von 20 Jahren Arbeit gesammelt hat. Die Unterlagen und Datenbanken befinden sich auf Computerfestplatten der Organisation, die die Staatsanwaltschaft St. Petersburg am gestrigen 4. Dezember bei einer unangekündigten Durchsuchung des Wissenschafts- und Informationszentrums "Memorial" der Stadt beschlagnahmt hat.
Der DRA Berlin stellt nicht das Recht der Staatsanwaltschaft auf
juristisch begründete und notwendige Ermittlungen in Frage. Er hält aber
die Beschlagnahme sämtlicher historischer Forschungsmaterialien von
"Memorial" unter Verweis auf eine 2007 erschienene, angeblich
extremistische Publikation in einer Zeitung, die mit der Organisation in
keinem Zusammenhang steht, für nicht stichhaltig. Die Verdienste von
"Memorial" bei der systematischen Aufklärung von Verbrechen während der
Sowjetzeit sowie bei der Unterstützung ihrer Opfer sind immens und haben
exemplarische Bedeutung für die gesamte Gesellschaft in Russland und in
den postsowjetischen Staaten. Daher fordert der DRA Berlin von den
Behörden in St. Petersburg, die Arbeitsfähigkeit des Wissenschafts- und
Informationszentrums "Memorial" in St. Petersburg so schnell wie möglich
wieder herzustellen und die Reputation der Organisation und die
Sicherheit ihrer MitarbeiterInnen zu garantieren.
Erklärung der Internationalen Gesellschaft "Memorial" zu den Ereignissen
in St. Petersburg
Am 4. Dezember wurden auf Befehl der städtischen Staatsanwaltschaft die
Räumlichkeiten des Wissenschafts- und Informationszentrums "Memorial"
Sankt Petersburg durchsucht, einer Forschungsorganisation, die sich mit
der Geschichte des stalinistischen Terrors beschäftigt. Durchgeführt
wurde die Durchsuchung unter dem Vorwand eines Ermittlungsverfahrens
betreffs einer laut der Staatsanwaltschaft "extremistischen"
Veröffentlichung, die vor eineinhalb Jahren in einer Zeitung namens
"Novyj Peterburg" erschienen ist.
Personen in Masken, die mit Polizeiknüppeln bewaffnet waren, besetzten
die Räume des Zentrums. Sie beschlagnahmten die Festplatten sämtlicher
Computer, auf denen die Resultate von zwanzigjährigen historischen
Forschungen sowie die Unterlagen eines der Mitarbeiter des Zentrums, des
Kunstwissenschaftlers Alexander Margolis, gespeichert sind, der wegen
seines Eintretens für den Schutz des architektonischen Stadtbildes
bekannt ist.
Die Gesellschaft "Memorial" und ihr Wissenschafts- und Forschungszentrum
in Sankt Petersburg wissen weder irgendetwas über die
Zeitungspublikation, mit der die Durchsuchung angeblich zusammenhängt,
noch über die Zeitung selbst. Allem Anschein nach ist die Publikation
lediglich ein Vorwand für die Durchsuchung der Räume von "Memorial".
Die beschlagnahmten Festplatten enthalten Datenbanken mit biografischen
Angaben zu zehntausenden Opfern der stalinschen Repressionen, die von
"Memorial" binnen 20 Jahren gesammelt worden sind, außerdem eine
einmalige Sammlung von Fotos und Dokumentenkopien zum Thema des
sowjetischen Terrors, die Ergebnisse der Suche nach Lagerfriedhöfen und
Erschießungsstätten auf dem Territorium der früheren UdSSR sowie ein
Ton-Archiv von Interviews mit ehemaligen Insassen des GULAG.
Die Internationale Gesellschaft "Memorial" fordert die unverzügliche
Rückgabe der beschlagnahmten Materialien, die keinerlei Verbindung mit
irgendwelchen "extremistischen" Publikationen haben können. "Memorial"
macht die Staatsanwaltschaft der Stadt Sankt Petersburg darauf
aufmerksam, dass diese Materialien einen großen wissenschaftlichen Wert
darstellen und die Staatsanwaltschaft die volle Verantwortung für ihre
Erhaltung trägt. (Übersetzung: DRA)
Die Erklärung von Memorial im russischen Original finden Sie auf der
Webseite des DRA: www.austausch.org/aktuelle-meldungen
(Quelle: http://hro1.org/node/3844)
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