Home  
„Verhaften Sie mich, ich bin ein Künstler“ PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Monika Neuner   
Sonntag, 31. Mai 2009
Junger Künstler im russischen Nowosibirsk inhaftiert

Artem Loskutov, ein bekannter zeitgenössischer Aktions- und Videokünstler aus Novosibirsk, wurde am 15. Mai 2009 auf offener Straße von einer Antiextremismuseinheit der russischen Miliz festgenommen. Unterstellt werden ihm „extremistische Vorbereitungen" und Drogenbesitz. Der eigentliche Grund ist seine Kunst und die unbequemen Fragen, die er stellt.

Was ist normal: diese Frage stellen die Künstler der Gruppe „Die Omi nach dem Begräbnis" und Artem Loskutov unter dem Motto: „Das Absurde der Macht kann nur mit Absurdem beantwortet werden“. Durch Brüskierung und Provokation zwingen die Künstler ihre Zuschauer, eigene Positionen zum Zustand der russischen Gesellschaft zu beziehen.

"Es kann nur eine Antwort auf den unendlich vielfältigen Appetit der Macht geben: Die Zukunft gehört unserem Lachen!" „Die Omi nach dem Begräbnis" bezieht die Stadt, Züge, Denkmäler, Kundgebungen und Jahrestage in ihre Performance ein. „Yyyt!“, „Spülen Sie, wenn Sie fertig sind!“, „Wo bin ich?“, "Gehirne für das Volk" – sind seit 5 Jahren Parolen auf der alternativen 1. Mai-Demonstration in Nowosibirsk – die neben und gegen die „normalen“ vor allem nationalistischen Parolen der traditionellen Demonstranten stehen.

Die politischen Kunstaktionen der Gruppe haben international Aufsehen und Interesse erregt. So waren die Arbeiten auf der Documenta 12 der Moskauer Biennale 2008, sowie bei anderen namhaften Veranstaltungen vertreten. Auch internationale Medien u.a. die BBC und der Deutschlandfunk berichteten.

Für die russischen Ordnungskräfte waren die Aktionen Loskutovs nur ein öffentliches Ärgernis, das sie nun nach dem Prinzip: maximale Strafandrohung auf Grund oberflächlicher Beschuldigungen, zu beantworten scheinen. Der Verteidiger Valentin Demidenko bezeichnete das Verfahren als „von Lücken, Lügen und Fehler durchzogen“. Die Hochschule, an der Artem angeblich Drogen verteilt haben soll, existiert nicht, und sein angeblicher Komplize, gegen den ebenfalls ermittelt wird, lebt seit Jahren im Ausland. Abgesehen von dem Beschluss, dass „der Angeklagte um unbekannte Zeit am unbekannten Ort bei unbekannter Person für unbekannte Summe das Paket mit 11 Gramm Marihuanna erwarb“, hatte die Ankläger nichts vorzuwerfen. Loskutov allerdings bestreitet, dass die Drogen von ihm stammen und seine Verteidigung wird ob des richterlichen Beschlusses in Revision gehen. Loskutov drohen nun drei Jahre Gefängnis.

Für den jungen Mann haben bekannte Künstler, Politiker und Wissenschaftler gebürgt. Dennoch muss er weiterhin in Haft bleiben. In mehreren Städten Russlands fanden Protestaktionen für Loskutov statt.

Die Wahrung von Meinungs- und Kunstfreiheit liegt in den Händen von Zivilgesellschaft, Medien und Politik. So grenzüberschreitend wie diese Prinzipien sind, so unteilbar ist die Verantwortung. Russische und europäische Stimmen müssen laut werden.


Spenden für die Anwaltskosten Loskutovs

Kontoinhaber: Roter Baum gGmbH Servicestelle Leipzig

Bank fuer Sozialwirtschaft

BLZ: 85020500;

Ktnr. 3619703;

Verwendungszweck: Spende Rechtsbeistand Artem Loskutov (unbedingt angeben!)


Wenn Sie weitere Informationen zu diesem Fall wünschen, können Sie uns jederzeit unter Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst , Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst und Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst erreichen.

Weitere Information:

http://www.sueddeutsche.de/n5e38B/2903081/De-Monstration-der-Macht.html

„Denke global, handle idiotisch“

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/dasfeature/878625/

„BU GA GA!“. Junge Aktionskünstler aus Nowosibirsk

http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/dschungel/-/id=658850/nid=658850/did=3439454/1dzhkdu/index.html

Information auf Deutsch

http://delphinov.net/

Information auf Englisch

http://free.kissmybabushka.com/

Information auf Russisch - Kultura. No 4, 2006 „Neue Wege des Dialogs zwischen Kunst und Gesellschaft“

http://www.kultura-rus.de/




Artikel zitieren

Artikel kommentieren
RSS Kommentare

Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben.
Bitte melde Dich an oder registriere Dich.

Powered by AkoComment Tweaked Special Edition v.1.4.6
AkoComment © Copyright 2004 by Arthur Konze - www.mamboportal.com
All right reserved

Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 27. August 2009 )
 
< Zurück   Weiter >





Passwort vergessen?
Noch kein Benutzerkonto?
Registrieren
Aktuelles
Mach mit! "The Past and Future of Democracy in Eastern Europe"
International Youth Human Rights Movement in cooperation with other civic networks and projects announces the launch of the long-term programme for young Germans "Past and Future of Democracy in Eastern Europe" and invites everyone to join! We invite you to apply until January 27th!
Weiter …
 
Austausch: "Ghosts of the Past. View from the other side"
Einladung für junge Leute aus Deutschland an einem Austausch zum Thema "Ghosts of the Past. View from the other side" teil zu nehmen vom 15th – 22nd, February, 2010 in Voronezh, Russia.
 
This meeting is intended  for  people who want to develop youth cooperation between Western and Eastern
Europe on such topics as Human Rights, antiracism, culture of remembrance and anti-totalitarianism, peace-
making and others. This visit is a part of the international program “The Past and Future of Democracy in
Eastern Europe” - http://www.afc.ynnet.org/ru/node/106.
Weiter …
 
Austausch: "Ghosts of the Past. View from the other side"
Einladung für junge Leute aus Deutschland an einem Austausch zum Thema "Ghosts of the Past. View from the other side" teil zu nehmen vom 15th – 22nd, February, 2010 in Voronezh, Russia.
 
This meeting is intended  for  people who want to develop youth cooperation between Western and Eastern
Europe on such topics as Human Rights, antiracism, culture of remembrance and anti-totalitarianism, peace-
making and others. This visit is a part of the international program “The Past and Future of Democracy in
Eastern Europe” - http://www.afc.ynnet.org/ru/node/106.
Weiter …
 
Ähnliche Artikel